Wirtschaftsbeziehungen
Das kubanische Wirtschaftssystem | Deutsch-kubanische Beziehungen | Tourismus
Ein alter Pontiac in Havanna - © by Caulfieldh / Wikipedia
Mit dem Ende der Revolution und dem Triumph Fidel Castros hält die sozialistische Planwirtschaft Einzug auf Kuba.
1960 verstaatlicht der neue Machthaber alle Industrie- und Agrarbetriebe der kommunistischen Republik. Im Zuge dieser Maßnahmen werden auch amerikanische Unternehmen beschlagnahmt, was die Beziehungen zu den USA lädiert.
1962 verhängt die amerikanische Regierung unter John F. Kennedy ein Handelsembargo gegen Kuba, das die Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Ländern beendet. Castro orientiert sich daraufhin verstärkt an den Handelspartnern der Ostblockstaaten und Kuba wird Mitglied im Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW). Das Land profitiert von günstigen Ölimporten und erwirtschaftet Gewinne mit dem Export von Nickel und Zucker. Die Auflösung des Ostblocks im Herbst 1989 bedeutet eine wirtschaftliche Katastrophe: Das Bruttosozialprodukt sinkt um 37 % und die Bevölkerung leidet unter Lebensmittelknappheit und häufigen Stromausfällen.
Krisenstimmung
Es kommt zu Massendemonstrationen und viele tausend Kubaner versuchen das Land zu verlassen. Die Regierung führt daraufhin marktwirtschaftliche Reformen ein: Sie richtet Freihandelszonen ein, um den Warenaustausch zu erleichtern, gründet Mehrheitsunternehmen mit ausländischen Partnern und erlaubt selbständige Tätigkeiten.
Ein kubanischer peso convertible (CUC) - © gemeinfrei
Seit 2003 werden diese Lockerungen jedoch teilweise wieder zurückgenommen und eine Rückkehr zur Planwirtschaft forciert. Zwar ist das Gesundheits- und Bildungssystem für alle Kubaner kostenfrei und die Preise für Grundnahrungsmittel, Gas, Strom und Wasser werden vom Staat subventioniert. Dennoch sind viele Menschen auf die Dollar-Überweisungen von Verwandten aus dem Ausland angewiesen. Die kubanischen Gehälter werden in der schwachen Landeswährung ausbezahlt, die einen geringen Arbeitsanreiz für die Beschäftigten darstellt. Mit dem kubanischen Peso kommt man nicht weit auf der Insel – Luxusgüter sind allein mit der Parallelwährung CUC zu bezahlen.
Aufwärts-Trend
Heute ist die Mehrheit der kubanischen Bevölkerung im Dienstleistungssektor beschäftigt, 20% arbeiten in der Landwirtschaft und weitere 20% in der Industrie. Kuba ist Mitglied der Welthandelsorganisation und unterhält 200 Joint Ventures mit ausländischen Firmen. Ein Beitritt zur Weltbank und zum Internationalen Währungsfond wird von den USA nach wie vor unterbunden.
Die wichtigsten Handelspartner des Inselstaates sind Venezuela, China und Kanada. Exportiert wird vor allem Nickel, Kobalt und Tabak. In Zukunft will der Staat verstärkt auf den Ausbau der Biotechnologie und Pharmaindustrie setzen.
Ärzte gegen Öl
Ein Moss-Bioreaktor - © gemeinfrei
Zu einem Motor der Wirtschaft hat sich neben der Bauwirtschaft der Dienstleistungssektor entwickelt. Neben der Tourismus-Branche haben vor allem die Dienstleistungen im medizinischen Bereich an Bedeutung gewonnen: Kubanische Ärzte sind in Lateinamerika sehr gefragt und im Fall Venezuelas werden die Ärzte-Gehälter zum Teil mit den Ölimporten verrechnet. Kuba zahlt auf diese Weise einen Rohölpreis, der mehr als ein Drittel unter dem Preis des Weltmarkts liegt. Im Rahmen des Programms »Ärzte gegen Öl« wurden 20.000 Ärzte nach Venezuela geschickt, wofür Kuba täglich 90.000 Barrel Öl erhält. Dies hat zur Stabilisierung der kubanischen Wirtschaft beigetragen, deren Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2007 um 7% anstieg. Damit gehört Kuba zu den Spitzenreitern unter den lateinamerikanischen Ländern.

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