Lehrer
Hannes Meyer
Raum für Geschlechtsleben
Mit Hannes Meyer, der ab 1927 in Dessau am Bauhaus unterrichtete und von 1928 bis 1930 dort Direktor war, bekam das Bauhaus eine offizielle Architektur-Abteilung. Meyer ging von der Analyse gesellschaftlicher Faktoren aus, entwickelte in seiner Baulehre ein funktionelles Bauen, aus dem alle überflüssigen ästhetischen Faktoren gestrichen waren. Er war an Entwicklungsarbeiten zur Versuchssiedlung Dessau-Törten beteiligt, bei der es um die Normung und Erprobung industrieller Fertigungsmethoden ging. Durch seine Führung, die freie Kunst nicht als erstrebsam ansah, entbrannte der schon lange schwelende Konflikt zwischen Ästhetik und Nützlichkeit voll. Die Maler schockte er mit den Worten: „Alle Kunst ist Komposition und mithin zweckwidrig. Alles Leben ist Funktion und daher unkünstlerisch!“ Für Meyer, der von der russischen Revolution beeindruckt war, daher zum Kommunismus neigte und auch in Moskau baute, waren „Bauen und Gestalten eins, und sie sind ein gesellschaftliches Ereignis“. Er sah das Bauhaus nicht als ein künstlerisches, sondern als ein soziales Phänomen. Er sprach von „Strategie des Ausgleichs der Kooperativ- und der Individualkräfte innerhalb der Lebensgemeinschaft eines Volkes“. Wichtig für die Planung von Wohnraum waren für Meyer das Geschlechtsleben, die Schlafgewohnheit, die Kleintierhaltung bis hin zur Besonnung und Bedienung. Er spürte den Neigungen der Hausbewohner zu diversen Holzsorten wie der flammigen Kiefer und der straffen Pappel nach und ließ sogar die Wechselwirkungen zwischen Menschen, Haustieren und Hausinsekten von seinen Studenten untersuchen. Mit seiner Bauabteilung entwarf Hannes Meyer 1928 die Bundesschule für den Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund in Bernau bei Berlin, dessen Bau 1930 beendet wurde.

Wohntrakt der Bundesschule für den Allgemeinen
Deutschen Gewerkschaftsbund in Bernau
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