Unbekanntes Bauhaus
Frauen im Bauhaus
Angeprangerter Lebenswandel
Frauen erhielten ab 1900 das Recht zu studieren – das Großherzogtum Baden machte den Anfang, Schlusslicht war Preußen, das Frauen erst zum Wintersemester 1908/1909 zuließ. In Weimar nahm man schon seit 1906 Kunsthandwerk-Studentinnen an. Gropius staunte: Die Hälfte aller Studenten war weiblich. Sie witterten hier Morgenluft. Das schien den männlichen Künstlern nicht immer geheuer gewesen zu sein. Man(n) sah die weiblichen Studenten am liebsten in der Weberei. Johannes Itten meinte, dass andere Werkstätten nicht unbedingt dem „angeborenen weiblichen Wesen“ entsprachen. Fast vergessen war Gropius‘ Idee, jede unbescholtene Person ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht aufzunehmen, was in einer Empfehlung von 1921 negativ gipfelte „keine Frauen mehr in die Werkstätten aufzunehmen.“ Nur Gunta Stölzl wurde als Form- und Werkmeisterin akzeptiert: natürlich in der Weberei. Ihr gelang es, die Weberei auch mit Bettdecken, Kissen und Möbelbezügen einen einträglichen Zweig des Bauhauses werden zu lassen. Das war ihr Triumph. 1927 übernahm sie die Gesamtleitung der Weberei bis 1931. Allerdings bekam sie weniger Honorar als ihre männlichen Kollegen, hatte keinen Anspruch auf Pension und erhielt kein Kindergeld. Durch die Nationalsozialisten hatte sie Ärger wegen ihrer Ehe mit einem jüdischen Architekten. Sie bekam ein Kind, verlor aber ihre deutsche Staatsangehörigkeit. Ihr Lebenswandel wurde angeprangert. Eine verheiratete Mutter sollte nicht mehr arbeiten. Sie ging schließlich in die Schweiz, wo sie eine eigene Textilwerkstatt aufbaute.
Marianne Brandt gehörte zu den wenigen Frauen die nicht in die Weberei gingen. Sie stieg lieber mit einer Lehre in der Metall-Werkstatt in eine Männer-Domäne ein. Ihre Design-Stücke wie Teekannen oder Aschenbecher wurden industriell umgesetzt, waren und sind noch heute teilweise Bestseller.

Aschenbecher, entworfen von Marianne Brandt 1926
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