Deutsch-kubanische Kontakte
Die BRD und Kuba | Die DDR und Kuba
Die BRD und Kuba

Zuckerrohr-Pflanze (Saccharum officinarum), Illustration aus Koehlers Medicinal-Pflanzenatlas 1887 © gemeinfrei
In den eleganten Salons des deutschen Bürgertums herrscht dicke Luft: Seit der Hamburger Unternehmer Hans Schlottmann 1788 die erste deutsche Zigarren-Fabrik gegründet hat, avanciert der edle Glimmstängel zum neuen Status-Symbol. Schlottmann verarbeitet in seinem Unternehmen ausschließlich den geschmacksintensiven kubanischen Tabak, dessen vollmundiges Aroma die Kunden begeistert. Bald entstehen auch in anderen deutschen Regionen Zigarren-Fabriken und der Tabak-Export aus Kuba schellt in die Höhe. Otto von Bismarck vertritt gar die Meinung, »man sollte immer erst eine Zigarre rauchen, ehe man die Welt umdreht«.
Tabak ist nicht das einzige Produkt, das die karibische Insel für die deutsche Wirtschaft interessant macht. Mitte des 19. Jahrhunderts steigt Kuba durch die Ausbeutung Tausender schwarzer Sklaven zum führenden Zuckerproduzenten auf. Seit der kubanische Unternehmer Facundo Bacardi Massó im Jahre 1862 seine Brennerei gegründet hat, bezieht Deutschland zudem große Mengen Rum aus Kuba.
Die Märzrevolution von 1848 in einer zeitgenössischen Abbildung © gemeinfrei
Nach der Märzrevolution von 1848 lenken viele Deutsche aus ganz anderen Gründen ihren Blick in die Karibik: Den politisch verfolgten Revolutionären bleibt oftmals keine andere Wahl als die Flucht ins Ausland – und diese führt in vielen Fällen ins attraktive Kuba. Zu den berühmtesten Emigranten gehört der sozialkritische Journalist und Satiriker Georg Weerth, der von der politischen Situation in Deutschland bitter enttäuscht ist und 1856 nach Havanna übersiedelt.
Nach der Machtergreifung Adolf Hitlers folgt eine zweite Emigrationswelle aus Deutschland: Mehr als 20.000 Juden fliehen vor der drohenden Verfolgung in ihrem Heimatland nach Kuba, wo 11.000 von ihnen die nationalsozialistische Herrschaft überleben. Anderen gelingt von der Karibik aus die Einreise in die USA.
Fidel Castro 1959 in Washington © gemeinfrei
Unter der Regierung Konrad Adenauers führt Westdeutschland bis zur sozialistischen Revolution die Handelskontakte mit Kuba fort. In den Nachkriegsjahren wird vor allem Zucker nach Deutschland importiert. Die ökonomischen Beziehungen enden jedoch mit dem nordamerikanischen Wirtschaftsembargo, das Präsident Eisenhower 1960 gegen Kuba verhängt. Im Januar 1963 bricht Adenauer die Beziehungen zu Castros Regierung ab, als Kuba diplomatische Kontakte mit der DDR aufnimmt. Castros autokratischer Regierungsstil stößt in Westdeutschland auf harsche Kritik. Seine menschenrechtsverletzende Politik, die fehlende Presse-, Reise- und Meinungsfreiheit und der harte Umgang mit der Opposition im Land erregen Empörung und Protest der Bundesbürger.
Spannungsreiche Annäherung
1985 reist der Spitzenkandidat der niedersächsischen SPD nach Kuba und erhält eine Audienz bei Fidel Castro: Gerhard Schröder diskutiert mit dem Máximo Líder und schaut sich dessen Gewohnheit ab, seine Cohiba-Zigarre vor dem Rauchen in ein Gläschen Rum zu tunken.
Seit dem Zusammenbruch des Ostblocks bahnt sich eine Annäherung zwischen Europa und Kuba an. Europa löst die Sowjetunion ab und wird zum wichtigsten Handelspartner Kubas. Im Jahr 2000 besucht Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul als erstes Mitglied einer deutschen Bundesregierung Kuba. Die Menschenrechtsverletzungen des sozialistischen Regimes bleiben jedoch ein heikles Thema.
Als Deutschland zu seinem Nationalfeiertag am 3. Oktober 2003 kubanische Oppositionelle einlädt, bricht Kuba den diplomatischen Kontakt zwei Jahre lang ab. Nach einer Verhaftungswelle gegen kubanische Dissidenten verhängt die EU im gleichen Jahr Sanktionen gegen Kuba, welche die Kontakte zwischen hochrangigen kubanischen Politikern und der EU unterbinden. Daraufhin konzentriert Fidel Castro seine Wirtschaftsbeziehungen auf die befreundeten Staaten Venezuela, China und Brasilien. Die EU-Sanktionen werden 2005 wieder ausgesetzt und im Juni 2008 endgültig aufgehoben. Dies widerspricht der
Auffassung von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die an den Sanktionen gegen Kuba festhalten möchte. Castro selbst bezeichnet den EU-Beschluss als »Heuchelei«, da er allein von wirtschaftlichen Interessen geleitet sei.
In den vergangenen Jahren haben sich die Beziehungen zwischen Deutschland und Kuba insgesamt stabilisiert und beide Länder pflegen intensive Wirtschaftskontakte. Die deutschen Exporte nach Kuba steigen weiter in die Höhe und die Tourismus-Branche erlebt einen neuen Boom.
Palmen am Sirena-Strand (Cayo Largo) © by Panther / Wikipedia


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