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Bücher erziehen, Literatur bildet. Schon längst wird nicht mehr darüber diskutiert, ob ein ”Schundroman“ den Verstand verdirbt. ”Billigliteratur“ existiert nicht, auch ein Comic fördert die Kreativität und Phantasie, beflügelt den Geist.
Aber Literatur hat nicht nur eine geistige und kulturelle, sondern auch eine wirtschaftliche Dimension. Auch wenn das pädagogische Anliegen der Literatur nach wie vor im Vordergrund steht, lässt sich mit Literatur auch Geld verdienen. Viel Geld. Über 80.000 Neuerscheinungen überfluten jährlich den deutschen Buchmarkt. Doch das Gros des Umsatzes wird mit nur zehn Prozent dieser Bücher gemacht: Es sind die Bestseller, die Buchhandels-Kassen klingeln lassen. Den Verkaufsschwerpunkt bildet nach wie vor die Belletristik, doch insbesondere fremdsprachige Literatur und das Kinder- und Jugendbuchsegment verzeichnen erstaunliches Wachstum. Und Hörbücher kommen mehr und mehr – allein 2005 freuten sich die Händler über einen Umsatzzuwachs von mehr als 14 Prozent.

Wer mit offenen Augen über die Buchmesse schlendert und den Rummel um die Stars und Sternchen der Bestseller-Buchindustrie wahrnimmt, fragt sich von Jahr zu Jahr mehr: Ist die Buchmesse zu einem reinen Wirtschafts-Event verkommen? Wo geht es noch um Inhalte statt um Medien-Events? Wo zählt noch das gut geschriebene Buch, das auch in Jahrzehnten noch seine Leser findet?
Kommt es nicht immer mehr darauf an, dass sich AutorInnen über das Fernsehen und das Internet vermarkten lassen? Sprich: Gut aussehen sollten die AutorInnen schon und ein paar Skandale, die in der Regenbogenpresse breitgetreten werden, schaden dem Erfolg eines Buches auch nicht. Im Jahr 2005 sorgte die Eröffnungsrede des Direktors der Buchmesse, Jürgen Boos, für Aufsehen: ”Natürlich ist die Buchmesse ein Wirtschaftsunternehmen, das Gewinne erzielen muss, um seine Aktivitäten zu finanzieren.“ Bevor das Rumoren im Saal überhand nahm, fuhr er fort: Die Buchmesse sei jedoch schon allein durch ihre Statuten zu kulturellem Engagement verpflichtet. ”Unsere Teilhaber, die 6.500 Mitglieder des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, erwarten das von uns“, betonte der Direktor souverän.

Wirtschaft, Kultur und Politik gelten als die drei tragenden Säulen der Frankfurter Buchmesse. Dass dies nicht nur schöne Worte sind, belegt die seit über 30 Jahren bestehende Tradition, devisenschwachen Ländern eine kostenlose Ausstellung ihrer Titel auf der Buchmesse zu ermöglichen sowie die Querfinanzierung kleinerer Stände.
Was die Politik betrifft, will sich die Frankfurter Buchmesse künftig mehr profilieren: Die Presse- und Meinungsfreiheit als Existenzgrundlage des Buchmarkts gilt es zu erhalten und auszubauen, fordert Jürgen Boos – es bleibt abzuwarten, welche konkreten Taten dieser Ankündigung folgen. Ein wichtiger Aktionsbaustein ist das von der Buchmesse seit 1998 unterstützte Programm ”Städte der Zuflucht“, das ausländischen Autoren Asyl bietet - Horacio Castellanos Moya aus El Salvador/Honduras lebt zum Beispiel derzeit unter dem Schutz dieses Programms in Frankfurt.
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